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Posts Tagged ‘historische Iris’

Wie sehr sie auf der Kippe stehen und halber als junger Versuch einer Garteniriskreation auf dem Weg zur Vollendung zu verstehen sind, sieht man einigen liebenswerten Sorten von Goos & Koenemann an, wenn sie ihre unsteten Eigenheiten zeigen. Gerade bei den letzten Blüten erlauben sie sich Nachlässigkeit und Phantasie: Abdrücke der genetzen Zeichnung, die vom Hängeblatt in den Dom wandern oder Farbaufspaltungen, klaffende, zurückgebogene Domblätter wie bei einer Iris ensata, unsortierte Anzahl von Hänge- und Domblättern. Manche sind sich mit sich selbst uneins, ob sie zu den eliator oder den intermedia zählen möchten, werden mittelhoch und je nach Laune und Jahresform auch höher.

Mich stört es gar nicht. Ich finde es spannend, was sich die lebenden Zeitdokumente der Gartengeschichte alles einfallen lassen, um mich zu amüsieren, wenn es nicht zu einer regelmäßigen Verstümmelung der Blüten führt und solange die Blüten sehr zahlreich erscheinen. Folkwang hat es im ersten Standjahr etwas übertrieben und bei den letzten beiden Blüten einen einblättrigen, gescheckten Dom verbrochen. Das üben wir noch. Erst später fällt mir anhand des Fotos auf, dass sie die fehlenden Domblätter in weinrosa Hängeblätter umgewandelt hat. Sehr originell, die süße Himbeere! Amis finden das so eigenartig und bemerkenswert, dass sie für die offenen, flach ausgebreiteten MTB-Iris den Spitznamen „Flatties“ erfunden haben, wobei die Besonderheit eines unregelmäßig auseinanderfallenden, instabilen, fahrigen Doms eher unerwünscht ist, jedenfalls bei modernen Prachtexemplaren der A-Klasse. Neue Retros mit Farbaufspaltung werden als reizvolle Unikate gepriesen (z.B. Bach Fugue). Falls ich mal viiiel Zeit habe, kreuze ich ich meine unordentlichsten Histörchen mit neueren, fetteren Sorte und schaue, was herauskommt. Im Jahr 2063 oder 2076, oder so.

Loreley mit typischen Abdrücken im Dom u. 4 Hängeblättern, Folkwang mit einzelner, gehisster Zebra-Fahne und 5 rosa-violetten Hängeblättern, Berchta mit einem „gebroken“ Hängeblatt von dreien

Historische Iris – nicht alle, einige sind nur kleinblütig und trotzdem steif – bringen so viel natürlichen Charme, Lebhaftigkeit, Leichtigkeit und guten Willen mit, dass ich ihre Einfälle in jedem Fall interessiert toleriere. Außerdem sind sie genetzt und schlanke, frivole Damen in Netzstrümpfen, die in lockeren, bunten Schwärmen Can Can tanzen, üben auf mich einen unwiderstehlichen Reiz aus  –  im Garten 😉

Gracchus und die unbekannte, bläuliche, klare Iris neglecta-Hybride vom letzten Jahr haben es mir alleine wegen ihrer feinen, kontrastreichen Zeichnung der Unterlippe angetan. Wenn man bedenkt, dass Gracchus um 1930 von Irisspezialisten als gartenunwürdig gebannt wurde – ts ts ts! Er mag als diploide Iris zumindest in den ersten Standjahren seiner Gartenkarriere recht schmalbrüstig und schwach sein, dafür aber ist er einzigartig. Ein Kleinod für die Gärten von Grafikern, Architekten, Künstlern, Kupferstechern, so es nach Jahrzehnten der grassierenden Kulturverachtung im Allgemeinen und der andauernden Unterbezahlung im Besonderen noch welche geben sollte. Man müsste die verbliebenen anpflanzen, beachten, füttern, hegen und pflegen und hüten wie andere Schätze auch. art but fair.

‚The Iris‘, John C. Wister, 1930 Page 114. 

‚Gracchus‘ had been entered on his version of the Black List. There were several of these ‚Black Lists‘, even an official list published by The American Iris Society in 1928, which was headed “ the following varieties of Tall Bearded Irises are considered as unworthy of further propagation. All members should refrain from assisting in their dissemination whether by purchase, by sale, by exchange, or by gift“. 
Thank God a few took no notice otherwise this stand out Iris would not be around today. „ (Quelle: Heritage Irises)

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3 Iris blühen am 1. Juni zum ersten Mal. Tanz in den Juni. Die Vorfreude treibt mich aus den warmen Kissen. Um 5 Uhr schaue ich erwartungsvoll nach den Knospen und siehe da, sie blühen!

Patina ist etwas Besonderes. Besonders merkwürdig. Ich habe dreimal überlegt, ob sie passen würde und mich dann wegen ihrer Eigenartigkeit für sie entschieden.

Aus der Entfernung wirkt sie beige mit hellem Tabakbraun. Und aus der Nähe? Auch. Mit etwas Weiß und Gelb, Nuß und Zimt, Salt & Pepper. Jedenfalls nicht rosenrosa, türkisblau, samtviolett, lavendellila, goldorange oder perlmuttweiß. Entweder erscheint sie einem völlig daneben oder – im Gegenteil – apart und rasant. Im Stadtgarten feiert sie sich als Unikum solo stehend. Eine Exotin in der Farbe einer Stapelia oder der einer erfundenen Dusterblume aus dem tiefsten Urwald. Gerade wegen ihrer im Grunde unauffälligen, gartenfremden Färbung in verblühten Tönen rückt sie ins Blickfeld. Im Laufe des Tages schiebt sich das flüchtige Gelb vom gewellten Rand weiter in die weiße Mitte.

Kermit gefällt die feinherbe „Herrentorte“ in Nougat- und Sandfarben mit einem Spritzer Zitrusgelb.

2 historische Iris aus dem Geschenkpaket von C. bekennen ebenfalls Farbe: Rheintraube und Folkwang. Nun habe ich die echte Rheintraube, entzückend! Sie sieht tatsächlich ganz anders und kontrastreicher aus als meine (vermutete) Berchta; pudrig samtige, dunkelblauviolett, getragene Hängeblätter mit hellerem, blauem Dom. Was sie mit Berchta gemeinsam hat, sind die leicht gedrehten Hängeblätter mit dem fröhlichen „Swing“. Folkwang ist zart, verträumt, ätherisch, ihr Dom fast weiß mit rosa Hauch, die Hängeblätter in weichem Mauve bis dunklem Weinrosa. Ingesamt ist sie für eine eliator zierlich gebaut. Rheintraube ist als alte intermedia von Haus aus schlank. Ihre schmalen Kurzschwerter nehmen nicht so viel Platz in Anspruch wie hünenhafte Irissorten und kommen dem ewigen Platzmangel entgegen.

Beide sind schön anzusehen, schön im Bauerngarten wie im harmonischen Stadtgarten, dem ruhige, edle Iris besser bekommen als grandiose Paradiesvögel mit Lockenwicklern. Merkwürdigerweise ist Rheintraube duftlos, die sanfte Volkwang hingegen duftet auffallend gut, süß nach Maiglöckchen, Mädchen mit Zöpfen und Orchidee. Fein parfümierte, fernöstliche Orchideenseife für junge Mädchen, die im Garten den Tag verträumen und große Damen spielen.

Damit Rheintraube zur Wirkung käme, bräuchte es für ein Foto mehrere Stängel mit samtigen Blüten. Es ist erst einer und so bekommt man bestenfalls eine leise Ahnung wie ein Horst mit 8 – 10 Stielen aussehen würde.

Nun fehlen noch die Blüten von 2 Iris, die sich die Ehre gaben, dieses Jahr Knospen zu entwickeln: Dusky Challenger (hoch, stark, purpur-nachtblaue, fast schwarze, irisierend schimmernde Blüten, 1986) und Amas, eine wilde, großblütige, im ursprünglichen Habitat natürlich entstandene Schwertirishybride, die Sir Michael Foster 1885 aus der Nähe von Amasia (Türkei) einführte. Ich bin gespannt, worin sich „Iris amasia“ von den alten Gartensorten unterscheidet.

Nach der blauen würde jetzt die pflaumenblaue Phase folgen, wenn zwischen den dunklen Farben nicht hier und dort ein Mohn, weiße und apricotfarbene Rosen und die lachsrosa Päonie leuchten würden.

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… setzt sich nieder auf mein Fuß, hat ein Brieflein im Schnabel …

Oder richtiger, eine Karte aus dem hohen Norden mit viel Himmel und Leuchtturm und ein, zwei, drei, ganz vielen historischen Irissorten. Wie Geburtstag. Eine Sendung mit historischen Iris für mich! Rheintraube – hurra! – Rheinnixe – hurra! – Folkwang – hurra! – Gracchus – hurra!- und weitere, die ich nicht kenne: Amas, Havamal und Susan Bliss (u.V.). Säuberlich verpackt und beschriftet, ganz frisch, generös bemessene Teilstücke. Entzückend! 🙂

Ich liebe alte Irissorten, die mich nicht enttäsuchen, Stehvermögen zeigen und einfach so blühen. Ich gebe mir so viel Mühe mit neueren, plissierten, bunten Sorten, baue ihnen Bettchen aus Sand am Rand der Rabatte in voller Sonne, zupfe sie luftig und frei von Gekraute, gieße mit Bedacht – wenn überhaupt – und spreche zärtlich mit ihnen (meistens, manchmal auch weniger nett, wenn sie keine Anstalten machen, Blütenschäfte zu schieben). Hilft alles nix; erst kümmern sie und dann verabschieden sie sich. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, sie im Topf anwachsen und 1 – 2 Jahre größer werden zu zu lassen und sie dann erst auszusiedeln. Hilft auch nicht viel, wenn es zu oft regnet. Würden die mittelhohen nicht so unbekümmert gedeihen und blühen, könnte man meinen, der Fall sei aussichtslos und ich sollte meine Finger von Schwertlilien lassen.

Ich freue mich riesig über die (geschenkten!!) Iris. Da hatte eine freundliche Forenteilnehmerin ein großes Herz für alte Iris und Liebaberinnen alter Garteniris.

Sehr schön, dann habe ich jetzt ja was zu tun, Höhen recherchieren, Sorten zusammenstellen und die I. media Thora verkleinern, die in diesem Frühjahr geblüht hat wie ein Weltmeister. Sie muss ein bisschen Platz machen. Los, aufrückenl! Die Neuen sind da!

Endlich habe ich die echte Rheintraube, yep!

Gracchus: TB (??) von Ware, 1884, 52 cm (und damit wäre sie eine niedrige „tall bearded“; d.h., ich würde sie zu den mittelhohen zählen – wieso sollte das eine hohe sein?)

Rheintraube: TB von Goos & Koenemann, 1920, 75 cm

Rheinnixe: TB von Goos & Koenemann, 1920, 100 cm

Susan Bliss: Eine exquisite Dame aus den Zwanzigern; TB von Bliss, 1922, 80 cm. Während Goos & Koenemann in Dt. züchteten, kreuzten die weithin berühmten Gebr. Cayeux in Frankreich, Schreiner und die Brüder Sass in den USA und Arthur Bliss in Großbritannien. Susan Bliss und Princess Osra gehören zu seinen bekanntesten Züchtungen.

Folkwang: TB von Goos & Koenemann, 1924, 90 cm

Havamal: TB von Goos & Koenemann, 1927, 70 cm

Amas: Eine straffe TB von 70 cm und höher, frühe Blütezeit. Sie wurde in Kleinasien bei Amasia eingesammelt und von Sir Michael Foster, der über Freunde und Fernreisende weltweit Irisarten und natürliche Zufallskreuzungen erhielt, erstmailg erwähnt. Von ihm stammt u.a. die Iris Mrs Horace Darwin, die es manchmal noch hier und da im Gartenhandel, eher noch in Sammlungen gibt. Die etwas flattrige, tetraploide, großblumige Amas wurde anschließend in der damaligen Iriszucht verwendet und häufig eingekreuzt. Foster führte tetraplode Arten wie Amas aus Asien nach England ein  und er konzentrierte sich bei der Erzeugung neuer Irishybriden auf I. pallida, I. variegata und I. sambuccina, von denen unsere modernen, hohen Bartiris abstammen.

Wie immer findet der sensible und aufmerksame Gärtner Karl Foerster die passenden, heute ein wenig gefühlsreich und enthusiastisch klingenden Worte für den Zauber der Iris.

Zufällig stoße ich auf eine Fotogalerie, als ich nach Bildern von Gracchus google – gut, dass ich mich nicht auch noch für Iris spuria (Steppeniris) interessiere – oder doch ?

Teilweise sind mir beeindruckende, neue Sorten zu bombastisch und bonbonbunt. Sie lassen mir kaum noch Platz zum Versenken und Träumen wie die alten Iris es tun. Sicherlich toll, zweifelsohne. Und auch amerikanisch. Und irgendwie wirken sie im kleinen Stadtgarten zu groß, zu laut, etwas zu grell, zu aufdringlich. Kurtisanenmarkt. In einem weitläufigen Schaugarten mit hügeliger Fläche und dem Anspruch einer modernen Irissammlung wäre es etwas anderes. Schon der Name „Rheinnixe“ bei einer historischen, vermeintlich deutschen Iris germanica – das hat doch was! Er klingt nach Heine, Wasserwellenwasser, Strudeln, Rheinkieseln, Alberich, Rheingold, Fachwerkhexenhäuschen, lockender Loreley, Sonntagsfrisur und einem Piccolo im ICE-Speisewagen – und auch nach nordisch-germanischem Ariertum. Man muss natürlich bedenken, in welch aufrechter, deutschtümelnder bis nationaltrunkener Zeit die Namensgebung erfolgte …

 

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Eine Sorte zum Dazustellen und Kombinieren mit auffälligen Irissorten, die selbst keine große Diva abgibt. Morgens hellquarzblau mit etwas Rauch, in der Sonne sehr helllavendel und abends (deutlich weniger lavendel) jeanshellblau. Glatter Blütensaum. Angenehm nach Magnolie und Robinie duftend. Neben ihr steht die zweite Cliffs of Dover (Fay, 1952) und die beiden verbindet ihr tranzluzider Schein, ihre offenbare Vorliebe für das Element Wasser. Daher rührt die variable Farbe ihrer dünnen Blütenblätter, die eine nicht rein weiß und die andere nicht klar hellblau. Sozusagen gläserne Seelilien. Etwas wässrig.

Morgens mit lila Schimmer, abends wasserblau, meist rauchblau

Rundherum eine angenehme, weiche Erscheinung, frisch gewaschen, mit Waschblau bearbeitet und gestärkt. Hell wie der hohe Märzenhimmel.

Im Stadtgarten steht sie neuerdings als Puffer vor der Spornblume. Schon wegen ihrer stillen Anpassungsfähigkeit schätzenswert. Auffällig unauffällig und liebenswert. Angeblich ist sie obendrein wüchsig und zuverlässig. RHS Award of Garden Merit; in Großbritannien weiterhin beliebt. Ein Wermutstropfen in der Frühlingssuppe der älteren Sorte ist ihre etwas schwache Verzweigung.

JANE PHILLIPS: (Graves, R. 1946). TB-M-B1M. Helen McGregor X (Pale Moonlight x Great Lakes). Slight fragrance. HC 1947, HM 1950, AM 1952. Parent of First Courtship and Harbor Blue.“ (>Quelle)

Über 30 Jahre alte, bekannte Irissorten nennt man „historisch“. Manchen Irisfreunde ist das zu kurz – mir auch – und sie plädieren für 50 Jahre und älter. Auch das ist noch keine gescheite, stichhaltige Definiton. Schließlich geht die Zeit ins Land und macht vielleicht aus einem Möbel, nicht aber zwangsläufig aus einer Gartenblumensorte eine Antiquität.

Rosen z.B. werden nicht automatisch historisch, nur weil 30, 50 oder 70 Jahre verstrichen sind, sondern weil sie schon vor der Einführung der (offziell) ersten Teehybride La France, 1867 und der modernen, systematischen Kreuzungszucht nach Erkenntnissen der Vererbungsgesetze in europäischen Gärten angepflanzt wurden. Einige spätere Ausreißer (z.B. Jacques Cartier, 1868) mit genetisch klassetypischen Merkmalen lange kultivierter Tee-, Damaszener, Portland-, Alba-, Bourbon- und weiterer Rosen mit uraltem Stammbaum und auch Teehybriden von vor 1867 bestätigen die grobe Regel, oder starre und übergenaue Orientierung an einer willkürlichen Jahreszahl, wenn man so will. Wie dem auch sei, Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen Bruch und neue Kreuzungsprodukte mit veränderten Eigenschaften in immer größerer Zahl wurden gezüchtet, die sich von den alten Rosen unterschieden, die herrschaftlichen, klösterlichen, bürgerlichen und bäuerlichen Gärten ihren Liebreiz und Zauber schenkten. Die Einführung neuer Klassen wurde notwendig, ob die Wahl einer exakten Jahreszahl nun sinnvoll ist oder nicht. Sie kann als Anhaltpunkt dienen.

Gemäß der schematischen 50 Jahre-Grenze sind Jane Phillips (1946) und Cliffs of Dover (1952) alte Iris, wobei Cliffs of Dover mit ihren Wasserwellen deutlich moderner wirkt. Als richtig „historisch“ wie z.B. Mrs. Horace Darwin (1888) kann ich beide nicht empfinden, wenn ich sie mit älteren Goos & Koenemann-Sorten vergleiche, die schlichter, ursprünglicher und weniger hochgezüchtet wirken. Auf der amerikanischen HIPS-Seite ist sogar Boo eine historische und diese Zwergiris stammt aus dem Jahr 1971. Gut, Boo ist keine brandaktuelle Züchtung, aber historisch? Wahrscheinlich gibt es jedes Jahr so viele neue, dass ältere einfach relativ zügig in die Abteilung „Historische“ wandern und basta. Ich beschließe im Stillen, historische Iris vor 1920 – 1930 anzusiedeln. Und noch ältere Garteniris bzw. kultivierte botanische Funde von Arten und Bastarden vor 1800 können mir als „prähistorische“, als uralte gelten. Alle nach 193o sind für mich moderne Züchtungen.

An alten Iris liebe ich die feine, natürliche Eleganz in Verbindung mit ihrer Robustheit.

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Weiß und durchscheinend wie Meerwasser vor Kreideklippen. Durch die fast transparenten Ränder der Hängeblätter sehe ich meine Fingerkuppen, die ich unter das Blütenblatt lege. Duft etwas stechend, süßlich wie alter Puder, fremd, orchideenartig, nicht unbedingt angenehm. Diese hohe, großblütige Iris ist zuerst ganz hellgelb gefärbt und dann zitronensorbet-weiß. Keine Aderung, kein Schatten oder Schimmer außer dem leichten Anflug ins Gelbgrüne, gelber, unauffälliger Bart. Die stattliche historische Iris mit ihrer verbindlichen, champagnerfrischen Tönung ist sehr willkommen, obwohl sie mir wenig verzweigt vorkommt. Leider blieb bei dieser der Schaft stecken – nicht verwunderlich, weil im April erst gesetzt – und sie erreicht nur ein Drittel ihrer normalen Höhe.

Der Garten wird immer harmonischer; Leben wie in einer Gartenlaube aus alten Zeiten

Die neue Iris barbata eliator Cliffs of Dover (Fay, 1952) steht in der Nähe von Soft Salmon Saucer. Die beiden Gartenschönheiten heben sich gegenseitig. > Fach-Chinesisch für Irisliebhaber/innen.

Kermit hat heute eine böse Nachricht für mich und die Lust auf eine Fahrt in den wilden Garten, wo jede Menge Arbeit wartet, ist mir vergangen. Ich genieße den kleinen Stadtgarten in vollen Zügen und tue so, als ob es nichts Wichtigeres gäbe als Gartenbelange und Päoniensorten. Mein heutiger Humor ist regenerationsbedürftig.

Oase zwischen Häusermauern

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115 cm, mittelfrüh, samtig purpurviolett mit hellem Rand, hellerer, matterer, mauve getönter Dom, oranger Bart + Zeichnung am Grund der Hängeblätter

Das hat unserem alten Hündchen wohl keine Ruhe gelassen, dass es Schwertlilien gibt, die vor ihr blühen. Über 1 m bringt sie auf den Zollstock, was ich selbst für eine XXL-TB (TB = tall and bearded, hohe Bartiris) übertrieben finde. Faul ist sie dennoch – 2 Stängel, was ich wiederum für untertrieben halte. Zwischendurch legte sie eine Saison mit 9 Stielen ein.

Allergnädigste verlässt sich auf meine Anhänglichkeit, weil sie die erste Iris barbata eliator war, die ich je gepflanzt habe, oder richtiger, aus dem wilden Garten eingeschleppt habe. An ihrer Stelle würde ich mich trotz ihres altmodischen Flairs nicht darauf berufen. Ich hatte sie anhand von Fotos im Net vor Jahren als Rheintraube identifiziert, bin aber nicht mehr sicher, ob es stimmt. Denn 70 cm zu 1 m sind doch ein großer Unterschied und Rheintraube scheint farblich klarer in Hell und Dunkel unterschieden. Andere Angaben lauten 90 cm; wieder andere geben pauschal 80 – 100 cm an. Der Höhenunterschied zu 1 m könnte evt. am nassen Frühjahr liegen, obwohl mir die Höhe meiner Namenlosen sortentypisch vorkommt, weil sie jedes Jahr hoch wird.

Es scheint nicht einfach festzustellen zu sein, wie die Rheintraube aussieht. Überhaupt sind viele alte – gerade solche, die wie Varianten von Goos und Koenemann-Sorten ausschauen – die reinsten Chimären und manche kaum zu fassen. Ein verbindliches Register gab und gibt es für diese Sorten nicht. Bartiris kann steinalt werden und viele Irissorten von Goos & Koenemann dürften daher nicht endgültig verschollen sein, sondern unerkannt in Gärten stehen bzw. sind einige noch im Handel. Fotos der Rheintraube finden sich im Net bei der Gräfin, im Garten Frost (Dom weicht ab, sehr blau), bei zwergiris.de und im Forum Garten pur, die einen helleren, bläulicheren Dom und farblich geschlossenere, dunklere Hängeblätter zeigen als meine.

Die höchsten von Goos & Koenemann, auf die ich stoße, sind u. A. Rheinnixe und Espada mit 1 m. Espada käme der Sache näher. Aareshorst, Alfhem und Thorsten träfen die Heidelbeerweinfarbe am ehesten, sind aber niedriger. Die frühe Blüte der unbekannten Iris passt auf keine. Mit etwas Toleranz könnte man sie  evt. als frühe Mittelfrühe bezeichnen, um wenigstens die Blütezeit mit den Angaben im Net zu synchronisieren. Aber es hilft nichts; keine Sorte entspricht exakt der Iris im Garten. Zu allem Überfluß sind Goos und Koenemann nicht die einzigen Züchter, deren Hybriden vor fast hundert Jahren – und erst recht dananch – Einzug in die Gärten hielten.

Einen Tag später wirkt der Dom eine Spur heller. Die Blüte öffnet sich und duftet leicht; frisch nach Limone und süß nach Vanille.

Wenn einem Züchter ein besonderer Wurf gelingt, dauert es nicht lange und seine Kollegen nehmen diesen Erbträger in ihr Zuchtprogramm auf, um Farbe, Form, Aderung, Substanz, Höhe, Verzweigung, Blühzeitpunkt, Härte, Wüchsigkeit, Blüh- oder Vermehrungsfreude in ihre Linien einzukreuzen. Die neuen Sorten sehen ihren Eltern ähnlich und kommen aus Amerika, Frankreich u.s.w. zurück in deutsche Gärten – wie sollte sich nach Jahrzehnten ohne Vergleichspflanzen eine Sorte feststellen lassen, nur mit Hilfe von Fotos, die je nach Tageszeit rötlicher, bläulicher, kontrastreicher ausfallen?

Hinzu kommen bei der Verbreitung namenloser Gartenstauden mögliche Zufallssämlinge aus verwilderten Beständen, die unter Gartenfreunden über den Zaun weitergereicht werden.

Eine Sorte von Goos & Koenemann; Thorsten, Aareshorst? Oder Germaine Perthuis von Millet et Fils, 1924 oder Lent. A. Williamson, 1918?

Eine hohe Bi-Tone in Violett brauche ich, aber die?! Wüchsig und durchsetzungfähig ist sie, aber blühfreudig? Für 2 Blütenstiele mit verhältnismäßig kleinen, durchaus schönen Blüten tut es mir um den halben Quadratmeter, den sie noch hat, fast leid. Dabei habe ich ihre Rhizome schon stark reduziert. Fraglich ist, ob ein so schmales Stück im Beet ihr reicht. Doch der Platz im kleinen Stadtgarten ist leider begrenzt.

Langsam glaube ich, dass es sich um einen Komposthaufenfund aus den 30iger Jahren handelt, der von Mutter auf Tochter weitergeben wurde. Herr Goos und Herr Koenemann inspizierten zu jener Zeit an einem sonnigen Maienmorgen ihre Neuzüchtungen, sortieren diese unbenamte Sorte wegen Unzuverlässigkeit, Quadratmeterfresserei, Tendenz zur Fallsucht und eines bei Regen zusammenfallenden Doms aus und entließen sie in Unehren auf den Kompost. Ein dummerweise mitleidiger Gartenhelfer – oder ein neugieriger, naseweiser, vorbeispazierender Gartenenthusiast  – sah die Gratis-Knollen und trug den Schatz insgeheim nach Hause. Er schenkte ihn seiner mit Kindern, Garten, Einkochtopf und großer Wäsche gesegneten Gattin zum Muttertag, falls es den damals schon gab. Seitdem ist dieses Faultier im Umlauf und jeder, der es mit ihm zu tun hat und mit dem Gedanken spielt, es wieder los zu werden, rätselt sich einen Wolf, um welche kostbare, historische Originalsorte es sich handeln könnte. So war das nämlich!

Wie dem auch sei, itzo blüht sie in luftiger Höhe vor einem Rhododendron. Zusammen sieht es natürlich gut aus. Und außerdem habe ich mehrfach bereut, dass mir die ungeliebte Loreley beim Versetzen verlustig gegangen ist und bin vorsichtiger im Ausmerzen von „unschönen“ Gartenschätzen. Loreley blühte immer, sogar im Totalschatten unter der Kartoffelkiste im tiefsten Kellerloch, könnte frau meinen. Sie und Iris pallida hatten mir in gärtnerischen Urzeiten einen völlig falschen Eindruck von Schwertlilien vermittelt. Ich meinte damals –  da ich nur diese beiden kannte – Iris barbata wären so etwas wie umkomplizierte Staudensonnenblumen und funktionierten immer. Mitnichten!

Classic Irises of Goos & Koenemann

Abbildungen – sieh an (unten auf der Seite), da hat sich in den letzten Jahren etwas geändert; und ich darf ich meine bisherige Berchta in Thora umtaufen?

Historic Iris Perservation Society

Edit, noch am selben Tag: Um es abzuschließen, in einem Forum wurde die Sorte als Lent A. Williamson identifiziert!

Lent A. Williamson von E. B. Williamson, 1918, 100 – 120 cm, früh bis mittel, robust. Gedeiht am besten, wenn sie ihren eigenen Platz hat, wo sie „vernachlässigt“ wachsen darf.

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